Symposiumreihe "Konsum Neu Denken"

Im Jahr 2015 wurde die Symposiumreihe Konsum neu denken initiiert, die zugleich auch den Beginn des Netzwerks darstellt. Ziel dieser Reihe ist es, verschiedene Perspektiven einer breit verstandenen Konsumforschung in Austausch zu bringen. Alle zwei Jahre wird von einem Netzwerkmitglied die Veranstaltung zu einem spezifischen Konsumthema organisiert. Netzwerkmitglieder sind herzlich eingeladen, sich hier aktiv einzubringen – über Ideen und Anregungen oder auch die Bereitschaft, ein Symposium zu organisieren. Kontaktaufnahme über info@konsumforschung.at  

Das erste Symposium an der AK Wien im Jahr 2015 begann mit einer allgemeinen Diskussion über die die Frage, wie Konsum neu gedacht werden kann.

Programm

Tagungsdokumentation

Auf dem zweiten Symposium, das 2016 an der Karl-Franzens-Universität Graz stattfand, ging es um den Beitrag einer „Multiperspektivischen Verbraucherforschung“ zu einer „neu“ zu denkenden Konsumforschung.

Programm

Tagungsbericht

Im dritten, 2017 an der Alpen-Adria-Universität in Klagenfurt veranstalteten Symposium, wurden bisherige Ideen um eine Perspektive des „Tranformatorischen Potenzial von Konsum“ erweitert.

Programm

Tagungsbericht

Im vierten, 2019 am Institut für Höhere Studien in Wien veranstalteten Symposium ging es um die zukunftsweisenden Praktiken des Reparierens, des Selbermachens und des länger Nutzens und ihren Beitrag zur Kreislaufwirtschaft.

Programm

Tagungsdokumentation und Bilder

Zur Vernetzung der Akteur*innen und zum Austausch aktueller Entwicklungen im Bereich Konsum, fand am 2.10.2020 ein Treffen des Netzwerks Konsum neu denken statt. Es nahmen zirka 30 Personen aus den Bereichen Wissenschaft/Forschung, Politik/Interessensvertretung, Bildung und Beratung/Praxis virtuell und vor Ort (in der Arbeiterkammer Wien) teil. Zum detaillierten Programm.

Gabriele Zgubic von der Arbeiterkammer berichtete über die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Konsumentenpolitik. Für den Konsumentenschutz war natürlich dieses Jahr herausfordernd, so gab es im ersten Halbjahr 2020 einen immensen Anstieg von konsumentenschutzrechtlichen Beratungen aufgrund abgesagter Veranstaltungen oder stornierter Reisen im Zusammenhang mit der Covid-Pandemie. Aber auch im Bereich der Konsumentenpolitik, insbesondere auf EU-Ebene passierte einiges: der Europäische Grüne Deal und die Strategie zum 2. Kreislaufwirtschaftspaket wurden von der Kommission veröffentlicht. Die EU-Gewährleistungsrichtlinie befindet sich in der nationalen Umsetzung und soll u.A. dazu beitragen, Produkte langlebiger zu gestalten. Auch der digitale Konsumentenschutz, insbesondere der Datenschutz wird immer wichtiger. Weitere konsumentenpolitische Entwicklungen gab es im Bereich der Künstlichen Intelligenz, der Produkthaftungsrichtlinie sowie der Rechtsdurchsetzung. Zur Präsentation

Harald Wieser stellte seine Dissertation (University of Manchester) über die Geschichte der Nutzung von Mobiltelefonen in Großbritannien vor. In seiner Analyse stellt er fest, dass sich entgegen öffentlicher Wahrnehmung, die Nutzungsdauer von Mobiltelefonen nicht verkürzt, sondern verlängert. Waren Handys ganz zu Beginn ein Statussymbol, entwickelten sie sich durch die rasante Verbreitung und das immense Angebot zu einem Wegwerfartikel. Erst durch eine gewisse Marktsättigung und rückläufiger Innovationsgrade entwickelten sich Premium-Segmente und die „Produktausdauer“ erhöhte sich wieder. Nicht nur die Hardware der Telefone, sondern auch die Plattformen dahinter bestimmen das Ausmaß der Nutzung mit. Für die Verbraucherforschung interessant ist sicher die Frage einer Teilnehmerin, welche Strategien der Distanzierung vom Smartphone sich nun in einer Phase der Marktsättigung etablieren. Auch die Frage nach dem Budget, welches KonsumentInnen für Smartphones reservieren, könnte aufgegriffen werden.

Petra Riefler, Leiterin des Instituts für Marketing und Innovation an der Universität für Bodenkultur, wird das nächste Symposium des Netzwerks ausrichten. „Suffizienz“ soll von verschiedenen Perspektiven (volkswirtschaftlich, gesellschaftlich/sozial, individualistisch) betrachtet und dabei auch Konzepte von (gemeinwohlorientierten) Unternehmen sowie politische Maßnahmen diskutiert werden. Das Symposium findet im Herbst 2021 in Wien statt. Im Zentrum des Symposiums steht die Frage, wie das Thema auch positiv vermittelt werden kann und nicht mit Verzicht konnotiert wird – bspw. im Kontext des „guten Lebens für alle“, was gewinnen wir, wo lassen sich Innovationspotenziale entdecken, und welche alternative Kennzahlen zum Wirtschaftswachstum kann es geben, um Wohlstand zu messen? Zur Präsentation

Christian Fridrich von der Pädagogischen Hochschule Wien präsentierte die Pläne für die Verankerung der Wirtschafts- und Verbraucher*innenbildung im Lehrplan für die Sekundarstufe I. Verbraucher*innenbildung als Querschnittsfeld ist kein eigenes Unterrichtsfach, sondern wird in vielen Fächern, insbesondere im Fach Geografie und Wirtschaftskunde integriert. Im Zentrum steht dabei die Förderung der Kompetenz der Schüler*innen – diese sollen im komplexen Konsumalltag fähig sein, sich zu orientieren, eigenständig zu urteilen und zu handeln. Der Lehrplan wird derzeit noch ausgearbeitet und soll ab dem Schuljahr 2023/24 umgesetzt werden. Die anschließende Diskussion drehte sich vor allem darum, wie dieses Querschnittsfach in die Lehrer*innenbildung einfließt und vor allem, wie die Unterrichtspraxis aussieht, welche Inhalte und welche Lehrunterlagen werden ausgewählt bzw. eingesetzt. Diskutiert wurde die Frage, wie damit umzugehen ist, dass hier ja immer auch die individuellen Lebensstile und -weisen der Lehrer und Schüler zum Ausdruck kommen, was ein Stück weit problematisch sein könnte. Zur Präsentation

Gudrun Steinmann von der Schuldnerberatung Wien stellt das Projekt „Finanzführerschein Wien“ vor, ein Projekt der Schuldnerberatung in Kooperation mit der Bildungsdirektion Wien und unterstützt von der AK Wien. Schüler*innen wird praxisnah finanzielles Basiswissen vermittelt. Das soll ihnen helfen, finanzielle Risiken (Schulden) und Gefahren (Überschuldung) rechtzeitig zu erkennen und ihre Handlungskompetenz zu erhöhen. Der Finanzführerschein besteht aus 5 Modulen, die von Finanzbildungsexpert*innen der Schuldnerberatung und via e-Learning vermittelt werden. Inhaltlich drehen sich die Themen um Einnahmen-Ausgaben, Wohnen, Schulden, Jugendkonto aber auch bspw. den Einfluss von Werbung. Mittelfristig sollen 2.000-3.000 Wiener Jugendliche den Führerschein absolvieren. Für weitere Forschung interessant ist sicher die Frage in der anschließenden Diskussion, wie junge Menschen mit dem steigenden Druck zur Aufrechterhaltung von Lebensstilen umgehen, damit einher geht die Legitimierung von Schulden und Verschuldung. Was kann dagegen getan werden? Hier kam der Vorschlag, dies im Rahmen des nächsten Symposiums ev. mit dem Thema Suffizienz zu verknüpfen. Zur Präsentation

Gerald Hutterer von der Universität Wien und Isabella Göschl, Studentin an der Universität Wien, berichten über Ergebnisse eines Forschungsprojektes, welches die Implementierung des Finanzführerscheins begleitete. Diese Studie wurde im Rahmen eines Forschungspraktikums am Institut für Soziologie durchgeführt. In qualitativen und quantitativen Erhebungen wurden Schüler*innen über ihre Einstellungen zu Konsum, Sparen und Schulden befragt. Zusätzlich konnte ein Finanztest absolviert werden. Die Ergebnisse zeigen schwache, aber nicht signifikante Zusammenhänge zwischen Finanzwissen und Ver- bzw. Überschuldung. Schüler und Studenten kennen sich im Vergleich zu ihren weiblichen Kolleginnen besser mit Finanzen aus. Influencer*innen, die vor allem von jungen Mädchen gerne verfolgt werden, haben Einfluss auf das Konsumverhalten – hier ist demonstrativer Konsum stark verbreitet. Aufgrund des Cov19-bedingten Lockdowns konnte die Studie nicht in der geplanten Form durchgeführt werden, sondern hat eher den Charakter einer Vorstudie, die Ergebnisse sind nicht repräsentativ. Dennoch kamen einige Besonderheiten zum Vorschein: inwieweit stellt „Warten können“ eine wichtige Kompetenz dar und auch die Rolle der Influencer*innen wurde als neues Phänomen in die Analyse einbezogen. Für weitere Forschung interessante Fragen der Teilnehmer*innen betrafen den Einfluss des Geschlechts und welchen Impact haben die Ergebnisse auf die Zukunft des Finanzführerscheins? Zur Präsentation

Die offene Diskussion am Ende der Veranstaltung führte zu einem Vorschlag für die übernächste Veranstaltung: Finanzwissen/Geldwissen  mit Konsum zusammendenken (inkl. Geld als Äquivalent wofür – Kosten – Kostenwahrheit usf.). Welche Rolle kann der Konsummonitor (Projekt des Instituts für Soziologie an der Universität Wien im Auftrag der Arbeiterkammer) hier spielen?